Stellungnahme der SF 08/21 Bottrop

Nachdem die Platzschließung beim TSV Feldhausen vom Tisch ist, wenden sich nun auch die Sportfreunde 08/21 mit einer Stellungnahme an den Sportausschuss.

Folgende Stellungnahme der SF 08/21 Bottrop erreichte unsere Redaktion:

Nach Beratung der Vorstände der Seniorenabteilung und der Behindertensportgemeinschaft der Sportfreunde 08/21 Bottrop möchten auch wir unser Bedauern über die geplanten Platzschließungen in Bottrop kundtun und hoffen, Sie mit diesem Schreiben zum Umdenken bewegen zu können.

Die Sportfreunde 08/21 sind 2014 aus den beiden Sportvereinen „Vorwärts 08 Bottrop“ und „Viktoria 21 Bottrop“ nach deren Fusion entstanden. 2 Vereine mit langer Tradition, welche in dem neuen Verein fortbesteht. Ihre sportliche Heimat war schon vor dem 2. Weltkrieg an der Paßstraße.

Die erste Herrenmannschaft spielt seit Jahren solide in der Kreisliga B, bis vor 2 Jahren bestanden noch 3 Seniorenmannschaften, sowie mehrere Jugendmannschaften, leider hat der Entwicklungsplan des Bottroper Sport- und Bäderbetriebs und die Verweigerung eines Kunstrasenplatzes dazu geführt, dass viele unserer Fußballer sich anderen Vereinen mit Kunstrasenplatz
angeschlossen haben. Leider haben sich ebenso durch die Maßnahmen der Stadt Bottrop unsere Seniorengymnastikabteilung sowie unsere Krebsnachsorgeabteilung aufgelöst, da sie nicht mehr ihren gewohnten Hallensport betreiben konnten. Auch hier fühlten wir uns nicht durch die Stadt Bottrop unterstützt und informiert.

Nichtsdestotrotz bestehen weiterhin die 1. Herrenmannschaft, 2 Altherrenmannschaften, die Fußballer*innen der Behindertensportgemeinschaft,sowie eine Tischtennismannschaft fort. Zu erwähnen ist sicherlich auch noch das alljährlich stattfindende, durch uns organisierte, Jürgen-Weber-Gedächtnisturnier rund um Weihnachten und Silvester. Das Hallenturnier zählt fest zu den Institutionen im Bottroper Fußball und ist jedes Jahr sehr gut besucht.

Die momentane Entwicklung in der Fußballlandschaft Bottrops ist in dieser Hinsicht äußerst bedenklich. Manche Vereine werden seit Jahren gefördert, andere überhaupt nicht und immer mehr „kleine Vereine“ gehen daran kaputt, während die größeren Vereine teilweise mit 5 Seniorenmannschaften an den Start gehen.

Man könnte denken, dass dies schon lange strategisch geplant ist, um an die „Sahnegrundstücke“ zu kommen und die kleinen Vereine ausbluten zu lassen.

Die zur Schließung angedachten Plätze haben eine lange Tradition in Bottrop, viele Fußballer Bottrops haben dort Fußball spielen gelernt und einen großen Teil ihres Lebens dort verbracht. Sie stecken noch heute ihr Herzblut, viel Freizeit und Engagement in die Vereine, trotz der schlechten Infrastruktur. Sie bilden junge Menschen aus, fördern die Sozialkompetenz und das
Gemeinwohl, sie rüsten Menschen für die Zukunft in unserer Gesellschaft, ein Erziehungsauftrag, den keine Stadt wahrnimmt und die auch kein Rotstift ersetzen kann.

Umso schöner ist es, zu merken, wie groß das Bedauern, die Anteilnahme und die Bemühungen, die Platzschließungen zu verhindern, in der Bevölkerung sind. Wir unterstützen ausdrücklich die Bemühungen der Vereine der anderen
Platzanlage zur Erhaltung und hoffen, sie haben Erfolg!

Wir sind über die geplanten Schließungspläne unserer Anlage vor Veröffentlichung des Sportstättenentwicklungsplans informiert worden. Uns war bewusst, dass das „Damoklesschwert“ schon länger über unserem Platz schwebt, auch wenn uns Herr Oberbürgermeister Bernd Tischler damals sein Wort gab, dass unser Platz, solange er im Amt ist, nicht geschlossen wird, auch unter dem Aspekt, dass Bottrop sich als Sportstadt brüstet und damit Werbung betreibt.

Dies macht uns zutiefst traurig, zumal, auch wenn sich die Anzahl der Mannschaften im Laufe der Jahre immer weiter verringert hat, sich doch ein sehr aktives und schönes Vereinsleben bei uns abspielt. Für viele unserer Mitglieder sind die beiden Vereinsheime tägliche Anlaufpunkte und eine Stütze ihres Alltags, auch in ihrer Freizeit außerhalb der
Trainingszeiten. Des Weiteren ist unser Verein ein gutes Beispiel, wie Integration gelingen kann. Mehrere Flüchtlinge haben bei uns den Weg zum Fußball und in unseren Verein gefunden und waren und sind fester Bestandteil der Mannschaften. Unser Platz wird auch gerne so von Flüchtlingen genutzt, um in ihrer Freizeit Fußball zu
spielen. Wir würden diesen Menschen gerne weiterhin eine sportliche und soziale
Heimat geben.

Leider ist es für Vereine ohne Kunstrasen unmöglich, mit anderen Vereinen zu konkurrieren, da viele Fußballer nicht mehr auf Asche spielen möchten, insofern stellt sich für uns schon die Frage „was war zuerst? Ei oder Huhn?“ Nur die Zahlen als Grundlage zu nehmen, die man durch die fehlenden Kunstrasenplätze mit verursacht hat, halten wir für unfair, nicht differenziert genug und für fragwürdig, lässt es doch das soziale und menschliche Vereinsleben völlig außen vor.

Dennoch ist uns klar, dass wir unseren Platz mit diesen Voraussetzungen nicht retten können und ohne Sanierungen wenig Chancen haben, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Eine Schließung würden wir außerordentlich bedauern und hoffen, dass eine Zukunft hier weiterhin möglich ist. Das dies funktionieren kann sieht man nun am Beispiel Feldhausen. Wir haben weiterhin einen sehr gut funktionierenden Vorstand und trauen uns weiterhin zu, die Herausforderungen des Vereins auch auf unserem Platz an der Paßstr. zu stemmen und perspektivisch den Verein neu aufzustellen und Neues aufzubauen.
Wir appellieren an Sie als Politiker, die Entscheidung zur Schließung des Platzes deutlich zu überdenken.


Sollten wir jedoch die Schließung unseres Platzes nicht verhindern können und auf einen anderen Platz umziehen müssen, werden wir auch diese Herausforderung akzeptieren. Was wir jedoch auf keinen Fall akzeptieren werden, ist, dass uns unser Vereinsleben genommen werden soll. Wir glauben, nein, wir wissen, dass unser Vereinsleben wohl zum besten
Vereinsleben in Bottrop zählt.

Der Vorschlag der Stadt Bottrop, einen Umzug auf die Sportanlage „In den Weywiesen“, würde dies jedoch bei den momentanen Planungen zerstören. Dies wäre der vollkommene Exitus für unseren Verein und keine Chance für einen Neuanfang. Eine Chance wäre, die gleichen Voraussetzungen zu haben wie andere Vereine und sich nicht die Platzanlage mit 2 weiteren Vereinen teilen
zu müssen und mit weiteren Jugendmannschaften.

So sehr der Platz auch aus- bzw. umgebaut werden soll, ein eigenes Vereinsheim würde uns dort nicht zur Verfügung stehen, auch ist die räumliche Nähe zur Innenstadt, der Heimat unseres Vereins, nicht mehr gegeben.

Momentan werden die Vereinsheime täglich genutzt. Gerade für unsere Behindertensportmannschaft ist ihr „eigenes Vereinsheim“ ein Platz, der sozialen Zusammenkunft nach dem Training und auch am Wochenende. Sollten wir also den Platz wechseln müssen, wäre der Übergang in einen hallenartigen, ungemütlichen Raum ohne Ausstattung, welcher noch dazu geteilt
werden müsste, inakzeptabel. Der jetzige Jugendraum auf dem Platz in den Weywiesen hat weder den Charakter eines Vereinsheims noch die Größe für derartig viele Mannschaften, welche sich diesen teilen müssten. Auch ist dieser Bereich nicht behindertengerecht und für einige Mitglieder im Rollstuhl unzugänglich und unzumutbar.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde verkehrstechnische Infrastruktur. Für unsere Mitglieder mit Behinderung bietet sich die Nähe zum ZOB an, ein Großteil reist mit Bus und Bahn an, sogar aus anderen Städten. Auch für unsere Altherrenmitglieder, von denen viele zwischen 60 und 90 sind und die unser Vereinsheim zu Fuß erreichen können, wäre ein Umzug in die Weywiesen unzumutbar, geschweige denn, dass Sie den Weg überhaupt in Kauf nehmen würden.

Wir erwarten einen weiteren, konstruktiven Austausch mit der Stadt, der unsere Bedürfnisse berücksichtigt. Es kann nicht sein, dass wir, auch wenn wir nicht mehr die Mannschaftsstärke wie andere Vereine haben, einfach auf einen anderen Platz abgeschoben werden, hauptsache, der Platz an der Paßstr. wird frei!

Wir bitten Sie, am 12.11.2021 dem geplanten Sportstättenentwicklungsplan mit seinen Schließungsempfehlungen nicht zuzustimmen und unsere Bedenken und Bitten mit in ihre Beratungen einzubeziehen.

Für Rückfragen oder Gespräche stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit sportlichem Gruß

Dieter Stauvermann (1. Vorsitzender)
Peter Morzik (Geschäftsführer Seniorenabteilung)
Bettina Kuchhäuser (Vorsitzende Behindertensportgemeinschaft)
Torsten Mähling (Vorsitzender Behindertensportgemeinschaft und Vorsitzender
Altherrensport)

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